Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Rhythmologie und Elektrophysiologie

Das Malteser Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen ist eine anerkannte und zertifizierte Stätte der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zur Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen, insbesondere als Zentrum zur Behandlung von Vorhofflimmern.

Wir wenden moderne Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen an. Darüber hinaus kommen auch alle weiteren Therapieformen zum Einsatz. Die Diagnostik und Behandlung erfolgen dabei individuell und auf die jeweilige Arrhythmieform des einzelnen Patienten abgestimmt.

Zweitmeinungsverfahren: In Bayern haben alle Patientinnen und Patienten Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung, insbesondere vor geplanten elektrophysiologischen Untersuchungen und Katheterablationen. Dieses Recht gilt auch vor der anstehenden Implantation von Herzschrittmachern und Defibrillatoren (ICD, CRTD, LBB). 

Ab dem 01.07.2026 beraten und informieren wir Sie gerne in unserer Rhythmussprechstunde. Vereinbaren Sie schon jetzt Ihren Termin.

Rhythmussprechstunde
Sekretariat und Koordination
Telefon:      +49 (0) 9131 822-3332 
E-Mail:        kardiologie@waldkrankenhaus.de

Eventrekorder Diagnostik

Grundlage einer individuellen Therapie von Herzrhythmusstörungen ist die Aufzeichnung der Arrhythmieform im EKG. Im EKG lassen sich die einzelnen Arrhythmieformen differenzieren. Arrhythmien treten sehr häufig nicht durchgehend auf. Sie können teilweise in zeitlich sehr langen Abständen auftreten, sodass die Diagnostik erschwert ist.

Hier bietet sich die Eventrekorder-(Ereignisrekorder-)Diagnostik an. Es handelt sich dabei um ein Implantat in der Größe eines kleinen, flachen USB-Sticks oder kleiner. Dieses wird ambulant in Lokalanästhesie in die Unterhaut implantiert. Es handelt sich um ein Einkanal-Langzeit-EKG mit einer Aufzeichnungskapazität von bis zu 3 Jahren. In den regelmäßigen Abfragen kann die Arrhythmie dann genauer benannt und eine Therapie geplant werden.

Darüber hinaus sind auch nichtinvasive Diagnostiken gelegentlich auftretender Herzrhythmusstörungen möglich, beispielsweise durch mobile Ereignisrekorder oder Smartwatch-EKGs. Diese sind insbesondere dann sinnvoll, wenn die Arrhythmien spürbar sind.

Die implantierbaren Eventrekorder können sowohl symptomatische als auch asymptomatische Arrhythmien durch hinterlegte Algorithmen aufzeichnen. Zur Beratung werden alle Aufzeichnungsformen herangezogen.

Herzschrittmachertherapie

Voraussetzung für die Funktion des Herzens ist nicht nur eine einwandfreie Durchblutung des Herzens, sondern auch ein elektrischer Impuls, der den Herzschlag einleitet. Verantwortlich hierfür ist in unserem Herzen der Sinusknoten. Es handelt sich um eine reiskorngroße Ansammlung spezifischer Zellen im oberen Bereich des rechten Vorhofes. Dieser kann eigenständig, aber auch unter dem Einfluss des autonomen Nervensystems sowie von Hormonen einen Impuls abgeben (ca. 100.000/Tag).

Dieser Impuls breitet sich über die Vorhöfe aus und regt eine Kontraktion (Pumpaktion) an. Eine elektrische Verbindung zwischen den Vorhöfen und den Kammern ist in der Regel nur an einer Stelle – dem AV-Knoten – vorhanden. Dieser hat neben der Signalübertragung von den Vorhöfen in die Kammern auch eine regulatorische Funktion.

Angeschlossen daran ist ein spezifisches Reizleitungssystem, über das der Impuls an alle Herzmuskelzellen rasch weitergeleitet wird (<100 ms).



Störungen der Impulsbildung (im Sinusknoten) oder der Impulsleitung (im AV-Knoten) können zu einem langsamen Herzschlag (Bradykardie) führen. Die Signalbildung oder -leitung kann aber auch zeitweise komplett aussetzen.



Bei diesen Störungen können Schwindel, Kollaps (Schwarzwerden vor den Augen), Synkope (Ohnmacht), Luftnot und fehlende Leistungsfähigkeit auftreten. Die Symptome können auch hier anhaltend oder passager sein. Ursache hierfür ist die unzureichende Versorgung von Herz, Hirn und Körper mit Sauerstoff (Blut) während der Bradykardie. In solchen Fällen kann es notwendig werden, einen künstlichen Impulsgeber, einen Herzschrittmacher, einzusetzen.



In unserer Klinik für Kardiologie und Rhythmologie werden alle gängigen Arten von Einkammer- und Zweikammer-Herzschrittmachern der führenden Hersteller eingesetzt. Dieser Eingriff ist eine kleinere Operation, die zumeist in örtlicher Betäubung und ambulant durchgeführt werden kann und ca. 30–60 Minuten dauert. Die Geräte sind von der aktuellsten Generation und v. a. MRT-kompatibel.

Defibrillatortherapie

Bei deutlicher Einschränkung der Herzleistung, aber auch bei angeborenen Störungen in der Signalverarbeitung in der Herzmuskelzelle, kommt es gehäuft zu anhaltenden Arrhythmien aus den Herzkammern in Form von ventrikulären Tachykardien (schnellen Kammerfrequenzen). Die Symptomatik ist dann meistens ein spontanes Herzrasen, Schwindel, Kollaps (nahezu Schwindel) oder Synkope (Bewusstseinsverlust) bis hin zum plötzlichen Herztod.

Der Grad der Gefährdung des einzelnen Patienten mit entsprechender Symptomatik und den Befunden sollte ausführlich differentialdiagnostisch ausgearbeitet werden. Als Therapieform hat sich die Implantation eines Defibrillators (ICD: implantable cardioverter defibrillator) seit über 25 Jahren bewährt. Der ICD weist alle Funktionen eines Herzschrittmachers auf, kann aber zusätzlich schnelle, bösartige Herzrhythmusstörungen erkennen und durch eine Energieabgabe behandeln. Die Energieabgabe entspricht in ihrer Effektivität jener der vom Notarzt aufgelegten Defibrillator-Elektroden. Er verhindert damit den plötzlichen Herztod und ist wie ein „Notarzt in der Tasche“ durchgehend im Überwachungsmodus.

In unseren Katheterlaboren können wir alle verfügbaren ICDs operativ einsetzen. Die Operation erfolgt ähnlich der Herzschrittmacheroperation überwiegend ambulant in Lokalanästhesie. Dabei findet anstelle der normalen Herzschrittmachersonde eine spezielle Defibrillationssonde Anwendung. Das Gerät selbst wird in der Regel unter die Faszie des großen Brustmuskels in der Nähe des linken Schlüsselbeins eingesetzt.

Bild: Zweikammer-ICD mit Elektrode im Vorhof und Defibrillationssonde (Pfeil) in der rechten Herzkammer. Roter Pfeil: Die Defibrillationssonde hat eine große Oberfläche (große Aufhellung im Bild), um die erforderlich hohe Energie auf die Herzmuskelzellen zu übertragen.

Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT-Therapie, BBP)

Bei einer ausgeprägten Herzmuskelschwäche mit Beteiligung des Reizleitungssystems kommt es zu einer erheblich verzögerten Kontraktionsabfolge (asynchron) der Kammern. Das Herz verliert dadurch an Leistung, was die Symptomatik der Herzschwäche besonders verschlechtert. Diese Asynchronizität ist im EKG durch einen Linksschenkelblock ersichtlich, aber auch in der Bildgebung (Echo, MRT) darstellbar. Hier hat sich die Implantation eines CRT-Systems (cardiac resynchronization therapy) und BBP (bundle branch pacing) bewährt. Dadurch lässt sich vor allem die Symptomatik der Patientinnen und Patienten deutlich mildern durch eine Koordinierung des Erregungsablaufs.

Auch diese Operation kann im Herzkatheterlabor vorgenommen werden. Zusätzlich zu den Sonden eines Herzschrittmachers bzw. Defibrillators wird eine weitere Sonde (Elektrode) über die Venen des Herzens, die in den rechten Herzvorhof münden, auf die linke Seite des Herzens vorgeschoben (CRT). Dazu stellt Ihr Arzt die Venen mit Kontrastmittel unter Röntgenkontrolle dar. Beim BBP-System wird eine Elektrode in das Reizleitungssystem implantiert. Die Dauer eines derartigen Eingriffs ist mit 1,5–3 Stunden länger als die einer klassischen Herzschrittmacher- oder Defibrillatoroperation. In der Regel schläft die Patientin/der Patient bei diesem Eingriff in einer leichten Narkose.

Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) und Ablationsbehandlung