Häufige Fragen

Wie ist das Herz aufgebaut und wie funktioniert es?

Das Herz ist eines der sehr früh angelegten Organe. Schon in der 3. Woche des Embryos wird es als schlauchförmige Struktur auffällig mit regelhaften Kontraktionen. Es nimmt seine Form im weiteren Verlauf durch einen Schlaufungsprozess an, sodass es die endgültige Form mit zwei Vorhöfen und zwei Kammern ca. ab dem 50. Tag des Embryos hat. So besteht das Herz beim Kind und Erwachsenen letztlich aus zwei Herzen als pumpende Hohlorgane, welche nacheinander geschaltet sind. Beide Herzen sind durch eine Trennwand voneinander getrennt. Die Vorhöfe haben eine dünne Muskulatur, da sie im Wesentlichen nur eine Reservoirfunktion zur Auffüllung der Hauptkammern haben. Dafür ist die Muskelwand der Hauptkammern kräftiger ausgebildet und fördert das Blut in die jeweilige Hauptschlagader (Aorta) bzw. in den Lungen- oder Körperkreislauf. Die Muskelfasern der Kammern haben einen spiraligen Faserverlauf von der Basis (Klappenebene) zur Herzspitze. So sind die Pumpaktionen eine Form der Wringbewegung und energetisch günstig. Im Herzen sind die Vorhöfe und Kammern durch Klappen voneinander getrennt. Auch vor der Aorta sind Klappen vorgeschaltet. Die Klappen haben eine Ventilfunktion, damit wird die Flussrichtung des Blutes festgelegt.

Wie entstehen Herzrhythmusstörungen?

Ursache von Herzrhythmusstörungen ist die Schädigung oder Fehlentwicklung der Herzmuskulatur. Diese kann lokal auf wenige Millimeter beschränkt sein oder große Bereiche betreffen. Bei den Formen der Schädigung bzw. Fehlentwicklung sind angeborene, entzündliche oder Veränderungen infolge von Minderdurchblutung möglich. Diese strukturellen Störungen gilt es primär bei Vorliegen von Herzrhythmusstörungen abzuklären. Durch Schädigung der Herzmuskulatur sind diese Areale in ihrer Reizleitungsfähigkeit gestört. So unterscheidet sich diese in der Geschwindigkeit und Erholungszeit. Diese beiden Parameter bedingen, dass es lokal oder regional in der Herzmuskulatur zu kreisenden Erregungen kommen kann. Dabei können auch mehrere Schädigungen gleichzeitig vorhanden sein (bis zu 40 %). Sie können die Vorhöfe und auch die Kammern oder beide betreffen.

Wie können Herzrhythmusstörungen/Arrhythmien erkannt oder diagnostiziert werden?

Von Symptom zur Diagnose
Arrhythmien können zeitweise mit Abständen von mehreren Monaten oder Jahren, aber auch durchgehend vorkommen. Die Symptomatik kann sich erstrecken von Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Beinahe-Ohnmacht, Ohnmacht, Herzklopfen, Herzrasen, Leistungsminderung, Schweißattacken und Druck auf der Brust. Die Symptome sind nicht immer von einer Situation abhängig. Es gibt unterschiedliche Formen von Arrhythmien je nach Ort der Entstehung. Sehr wichtig hierbei ist, dass allein von der Symptomatik nicht auf den Ort der Entstehung im Herzen geschlossen werden kann, auch nicht vom getasteten Puls. Da sich der Erregungsablauf im Herzen im EKG darstellen lässt, ist es mit einem EKG möglich, die Arrhythmien genauer zu beschreiben. Daher sollte bei jedem Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung unbedingt eine Aufzeichnung im EKG angestrebt werden. Dabei ist es gleich, ob ein normales 12-Kanal-EKG (wie üblich beim Hausarzt, im Krankenhaus oder beim Kardiologen), ein Langzeit-EKG oder ein Smartwatch-EKG die Arrhythmie erfasst.

Welche Formen von Herzrhythmusstörungen gibt es und wie sind sie in der Bedeutung/Wertigkeit?

Eine Schädigung/Veränderung der Herzmuskulatur kann auf allen Ebenen erfolgen. Unterschieden wird hierbei insbesondere nach zwei Orten der Schädigung oder Veränderung in der Reizbildung oder -leitung: Vorhof und Kammer. Die Vorhofrhythmusstörungen werden auch supraventrikuläre Arrhythmien genannt und die Kammerrhythmusstörungen als ventrikuläre Arrhythmien. Zudem können angeborene Veränderungen in der Struktur der Herzmuskelzellen Vorhöfe und Kammern betreffen (ARVD, Brugada-Syndrom u. v. a.).

Bei den Vorhofrhythmusstörungen ist eine weitere Unterteilung vorhanden: SVES (Vorhofextraschläge), ektopische atriale Tachykardien (EAT), AVNRT (atrioventrikuläre nodale Reentry-Tachykardie), WPW (Wolff-Parkinson-White oder Präexzitationssyndrom), Vorhofflimmern und Vorhofflattern. Hierbei kann je nach Risikoprofil (CHA₂DS₂-VASc-Score) ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall bei den Formen Vorhofflimmern und -flattern vorliegen. Hierbei bilden sich in den Herzohr(en) (Ausbuchtungen der Vorhöfe) Gerinnsel durch die anhaltende Zitterbewegung der Vorhöfe bei Vorhofflimmern und -flattern.

Welche Therapieoptionen gibt es bei Herzrhythmusstörungen?

Bei der Therapie von Herzrhythmusstörungen wird zwischen den medikamentösen und interventionellen Therapieoptionen unterschieden. Zudem gibt es die operative Form mit Implantation von Herzschrittmachern und Defibrillatoren (ICD, CRTD, BBP). Die einzelnen Therapieformen sind eindeutig geregelt über die nationalen und internationalen Empfehlungen der Fachgesellschaften für Kardiologie und Arrhythmie. Diese Empfehlungen stützen sich auf Evidenz aus multiplen Studien und Beobachtungen. Sie werden von unabhängigen wissenschaftlichen Arbeitsgruppen erstellt.

Welche Vor- und Nachteile haben medikamentöse Therapieoptionen bei Herzrhythmusstörungen?

Die medikamentöse Therapie besteht seit mehreren Jahrzehnten, teilweise sogar Jahrhunderten, und wurde in den letzten 70 Jahren zunehmend spezifiziert. Dabei stehen Medikamente zur Dämpfung der Erregbarkeit der Herzmuskulatur zur Verfügung. Diese werden Antiarrhythmika genannt. Sie werden je nach Wirkort und -art der Reizleitung nach Klassen und Gruppen (u. a. Vaughan-Williams) eingeteilt. Sehr wenige der Antiarrhythmika haben eine spezifisch lokale Wirkung. Daraus ergibt sich, dass die meisten Antiarrhythmika auf das gesamte Herz wirken und damit wiederum selbst in Arealen Arrhythmien hervorrufen können, in denen zuvor keine bestanden. Zudem wirken die meisten auch auf den normalen Taktgeber des Herzens (Sinusknoten) und drosseln so die reguläre Herzfrequenz (eingeschränkte Chronotropie). Aus diesen Nebenwirkungen können Beschwerden/Symptome resultieren, die zuvor nicht vorhanden waren. So kommt es nicht selten zum Abbruch der medikamentösen Therapie.

Welche Vor- und Nachteile haben invasive Therapieoptionen bei Herzrhythmusstörungen?

Die invasive Therapieoption von Herzrhythmusstörungen gibt es seit mehr als 50 Jahren. Sie wurde in den letzten 30 Jahren zunehmend in Wirksamkeit und damit in Effektivität optimiert. Sie wird auch als elektrophysiologische Untersuchung (EPU) und Ablation bezeichnet. Je nach Arrhythmieform wird diese in leichter Narkose oder auch im wachen Zustand durchgeführt. Sie ist ein Eingriff mit sehr niedrigem Risikoprofil, welches von der zu behandelnden Arrhythmieform abhängt. Sie wird im Herzkatheterlabor unter maximaler Überwachung des Patienten sowie seiner Herz-Kreislauf- und Atmungsparameter durchgeführt.

Im Rahmen einer EPU werden Elektroden im Herzen an standardisierten Positionen über kleine Einstiche in der Leiste eingebracht, und die Signalabfolge wird in ihrer natürlichen Form sowie entsprechend der zuvor aufgezeichneten Arrhythmieform analysiert. Unter anderem werden dabei auch spezifische Stimulationen im Herzen durchgeführt. In der Summe kann dann der Ort der Arrhythmie im Herzen auf wenige Mikrometer genau dargestellt und durch eine Verödung/Ablation behoben werden.

Die Effektivität ist bei vielen Arrhythmieformen größer als 90 % und somit kurativ. Sie ist bei vielen Arrhythmieformen effektiver als die palliative medikamentöse Dauertherapie. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis ist hierbei eindeutig zugunsten des Patienten, sodass die nationalen und internationalen Empfehlungen der Fachgesellschaften zur Behandlung von Arrhythmien die EPU und Ablation präferieren.

Wann sollte die Schrittmacher oder ICD- bzw. CRTD-Behandlung erfolgen?

Die Schrittmachertherapie ist zur Behandlung von Reizbildungsstörungen des Sinusknotens oder von Reizleitungsstörungen des AV-Knotens (Leitungsbahn zwischen Vorhof und Kammer) indiziert. Diese beiden Strukturen können durch vielfältige Ursachen gestört sein (Infektionen wie Borreliose bis hin zu Durchblutungsstörungen). Diese Schädigungen sind in den allermeisten Fällen nicht reversibel, sodass eine Symptomatik mit Leistungsminderung, Schwindel oder Ohnmacht bei kompletter Störung vorliegen kann. Bei Teilstörungen der Reizleitung gilt es, gezielt die Symptomatik zu eruieren.

Bei der Schrittmacheroperation oder -implantation wird am Schlüsselbein ein kleiner Hautschnitt (ca. 5 cm) angelegt. Darüber wird dann die große Vene punktiert und Elektroden im Vorhof und in der Kammer oder nur in der Kammer, je nach Grunderkrankung, eingebracht und im Herzmuskel mit Silikonanker verankert oder über die Spitze der Elektrode in den Herzmuskel eingeschraubt. Die Elektroden werden dann am Brustmuskel an der Faszie angenäht. Die Enden werden anschließend in die Steckplätze des Schrittmachers eingesteckt und befestigt. Der Schrittmacher wird dann mit den Elektroden zwischen der Faszie und dem Muskel eingebracht und Unterhaut sowie Hautschichten schichtweise wieder zugenäht.

Was brauche ich für die Rhythmussprechstunde (ab Juli 2026)?

Bitte bringen Sie Ihre bisherigen Befunde und Arztbriefe zu Ihrem Termin mit. Falls vorhanden, bringen Sie auch EKG-Aufzeichnungen der aufgetretenen Arrhythmien mit – diese können Sie alternativ gerne schon vorab per E-Mail, Fax oder Post an die unten angegebene Adresse senden.

Falls Sie einen bundeseinheitlichen Medikationsplan mit QR-Code vom Hausarzt haben, bringen Sie diesen bitte ebenfalls mit.

Für eine reine Beratung benötigen wir einen Überweisungsschein. Sollten zusätzlich eine elektrophysiologische Untersuchung oder Ablation geplant sein, ist ein Einweisungsschein erforderlich.

Sie möchten einen Termin für die Rhythmussprechstunde vereinbaren?

Ab dem 01.07.2026 beraten und informieren wir Sie gerne in unserer Rhythmussprechstunde. Vereinbaren Sie schon jetzt Ihren Termin, wenn bei Ihnen Herzrhythmusstörungen bestehen oder der Verdacht darauf vorliegt.

Wir nehmen uns Zeit für Ihre Beschwerden und legen großen Wert auf eine sorgfältige und individuelle Abklärung. Ziel ist es, Ihre Symptome besser einzuordnen und gemeinsam mit Ihnen die passende weitere Diagnostik und Behandlung zu planen.

Rhythmussprechstunde
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