Pflegezentrum St. Elisabeth Marienhospital Seniorenpflegezentrum
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Medizinische Klinik II

Schwerpunkt Gastroenterologie, Interventionelle Endoskopie, Hämato-Onkologie, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen


Gastroenterologie

Die Gastroenterologie umfasst die Erkrankungen des Verdauungssystems, d.h. von Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm sowie von Leber, Gallenwegen und Gallenblase und Bauchspeicheldrüse.

Typische Krankheitszeichen sind Schluckstörungen, Sodbrennen, Appetitverlust, Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen oder Koliken, Durchfälle, Magen-Darm-Blutungen, Gewichtsverlust, oder anderes.

Zur Darstellung dieser Organe dienen die sogenannten "bildgebenden Verfahren", d. h. Ultraschall, Endoskopie und Röntgen.

Die Organfunktionen können darüber hinaus durch Laborwerte und andere, spezielle Funktionsuntersuchungen beurteilt werden.

Die Endoskopie erlaubt außerdem auch eine "minimal invasive" Therapie verschiedener Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt.

Ultraschall (Sonographie)

Abdominelle Sonographie mit Farbdoppler und Kontrastmittel-Unterstützung:

Die sonografische Untersuchung der Oberbauchorgane erlaubt eine Darstellung der Leber, der Gallenwege und Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse, der Nieren und der Harnblase, der Milz, der Darmwände, der abdominellen Gefäße und anderer Strukturen im Bauchraum.

Aufgrund der geringen Belastung der Patienten wird die Sonographie heute routinemäßig eingesetzt

  • als Suchmethode bei unklaren Beschwerden,
  • zur Beantwortung spezieller Fragestellungen bei den genannten Organen,
  • zur Verlaufsbeurteilung vieler Erkrankungen

Die Untersuchung von Gefäßstrukturen wurde dabei durch die Einführung der farbigen Darstellung des Blutflusses (Farbdoppler) wesentlich verbessert. Dazu gewinnt die Kontrastmittel-unterstützte Sonografie der Leber und anderer Oberbauchorgane eine zunehmende Bedeutung, wie sich dies auch z.B. in der Computertomografie als unersetzlich herausgestellt hat. Die sonografisch gesteuerte Punktion stellt heute eine zusätzliche, sehr wichtige Option dar, um Gewebeproben auch aus kleinen Veränderungen in verschiedenen Organen zu erhalten. Aus dem gewonnenen Gewebe kann der Pathologe heute oft eine Diagnose sichern, die früher nur durch einen operativen Eingriff erreichbar war.

Flexible Endosonographie (endoskopische Ultraschalluntersuchung)

Einen großen Fortschritt in der Genauigkeit der Untersuchung von Oberbauchorganen, d.h. der Speiseröhre, des Magens, der Gallenwege und insbesondere der Bauchspeicheldrüse erbrachte die flexible Endosonografie. Hierbei wird ein miniaturisierter Ultraschallkopf an die Spitze eines Spezialendoskops montiert, wodurch während einer "Magenspiegelung" gleichsam "in und durch die Wand" von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm geschaut werden kann. Dabei stehen bei den modernen Geräten alle zusätzlichen Techniken, wie Duplex- oder Kontrastmittelunterstützung zur Verfügung. Die hohe Auflösung erlaubt gleichzeitig eine Art von "Lupenvergrößerung" der Wandschichten. Dementsprechend dient die Endosonografie insbesondere der detaillierten Untersuchung von Veränderungen der Organwand, der Bauchspeicheldrüse und der Gallenwege sowie deren unmittelbarer Umgebung. Dies ist wichtig für die Beurteilung der Ausdehnung von Tumoren vor operativen Eingriffen oder von unklaren Prozessen außerhalb des oberen oder unteren Magen-Darm-Traktes.

 

Endoskopie

Die Endoskopie hat seit den ersten Versuchen mit starren Metallröhren im letzten Jahrhundert bis zu den flexiblen Hochleistungsendoskopen von heute eine enorme Entwicklung durchgemacht. Insbesondere wurde die Belastung der Patienten dadurch erheblich reduziert. Dennoch ist heute eine individuell an den Patienten angepasste „Beruhigungsspritze“ bis hin zu einer Narkose Standard für die Durchführung einer Endoskopie. Die verschiedenen Möglichkeiten der begleitenden Medikation werden mit den Patienten im Rahmen des vorbereitenden Aufklärungsgespräches abgeklärt.

 

Hygiene

Ein besonderer Wert bei den Modernisierungsmaßnahmen der Endoskopie im Jahr 2007 wurde auf die Umsetzung der höchsten, derzeit geltenden, hygienischen Standards gelegt, wobei ein Aufbereitungssystem für Endoskope und Instrumente zum Einsatz kam, das bis dahin in Deutschland einzigartig war und das sowohl die hohen Anforderungen des Robert-Koch-Instituts als auch die Norm 15883 erfüllt. 

Das dabei zum Einsatz kommende Kalt-Aufbereitungsverfahren ist für das Personal und die Geräte weniger belastend und erlaubt außerdem eine sofortige Wiederverwendung der Endoskope. Die Hygiene wird dabei ständig durch bakteriologische Kontrollen und durch eine kontinuierliche Dokumentation aller Reinigungs- und Desinfektionsschritte überprüft. Ergänzend wurde ein neues und modernes Transport- und Lagerungssystem für die Geräte installiert, das auch eine höchst hygienische Lagerung und einen optimalen Geräteschutz sicherstellt.


Ösophago-Gastro-Duodenoskopie

Die Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm wird im Wesentlichen durchgeführt zur Diagnostik bei:

  • unklaren Schmerzen oder Brennen hinter dem Brustbein
  • unklaren Schmerzen oder Beschwerden im Oberbauch
  • unklarem Verlust von Appetit oder Gewicht zum Ausschluss eines Tumors
  • Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt

Neben der Diagnostik werden auch viele gastroskopische Eingriffe "minimal invasiv", d.h. ohne Operation, durchgeführt. Hierzu gehören:

  • Blutstillung bei Magengeschwüren, Krampfadern der Speiseröhre, Tumoren
  • Endoskopische Abtragungen von Polypen, bzw. Tumoren
  • Beseitigung oder Überbrückung von Engstellen in der Speiseröhre oder im Magen (Bougierung, Dilatation, APC-Evaporation, Endoprothesen)

Zur Vorbereitung ist lediglich eine ca. 8-stündige Nüchternphase erforderlich, bei Eingriffen ist die Bestimmung von Gerinnungswerten notwendig.

 

Partielle und totale Koloskopie (Dickdarmspiegelung):

Die teilweise (partielle) oder totale Spiegelung des Dickdarms dient der Diagnostik, d.h. der Untersuchung, bei:

  • unklaren Schmerzen oder Beschwerden im Bauchraum
  • unklaren, chronischen Durchfällen oder Verstopfung
  • schweren, akuten Durchfällen
  • unklarem Gewichtsverlust zum Ausschluss eines Tumors
  • akute Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt oder unklare Blutarmut

Auch im Dickdarm können verschiedene Erkrankungen durch eine endoskopische Therapie ohne Operation behandelt werden:

  • Endoskopische Abtragung von Dickdarmpolypen, bzw. Tumoren
  • Blutstillung bei Angiodysplasien (Gefäßveränderungen), Geschwüren oder Tumoren
  • Erweiterung bzw. Aufdehnung von entzündlichen oder narbigen Engstellen
  • Überbrückung ("Stenting") von Tumorstenosen

Die Vorbereitung zur Koloskopie erfordert eine Reinigung des Darms. Für eine teilweise Koloskopie (Rekto-Sigmoidoskopie) genügt ein Einlauf unmittelbar vor der Untersuchung, für die totale Koloskopie ist eine vollständige Darmreinigung nötig. Diese wird heute durch eine "Darmspülung" am Vortag und am Morgen vor der Untersuchung erreicht. Dabei ist auch eine ca. 12-stündige Nüchternphase ausreichend. Insbesondere vor einer totalen Koloskopie müssen die Gerinnungswerte bestimmt werden.

 

ERCP (Endoskopische Darstellung der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse):

Die Gallenwege und die Gänge der Bauchspeicheldrüse münden gemeinsam in der sogenannten "Vater'schen Papille", einem kleinen Verschlussmuskel, in den Zwölffingerdarm. Die endoskopische Untersuchung dieser beiden Organsysteme erfolgt daher indirekt durch Einspritzen von Kontrastmittel mittels eines sehr kleinen Katheters in die Gänge, von denen dann gleichzeitig Röntgenaufnahmen gemacht werden.

Gründe ("Indikationen") für diese Untersuchung sind:

  • "Gallenkoliken", Verdacht auf Gallengangsteine
  • Störungen des Gallenabflusses aller Art
  • Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • Akute, durch Gallensteine bedingte Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • Tumoren der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse

Die besondere Bedeutung der ERCP liegt in der Möglichkeit, "minimal invasive" Eingriffe durchzuführen:

  • Eröffnung der Vater'schen Papille ("Papillotomie")
  • Zerkleinerung und Entfernung von Steinen aus den Gallengängen oder der Bauchspeicheldrüse
  • Dehnung oder Überbrückung von Engstellungen der Gallenwege (Tumoren, Narben) oder der Gänge der Bauchspeicheldrüse

Als Vorbereitung ist lediglich eine 8-stündige Nüchternphase, wie bei einer Magenspiegelung, erforderlich. Aktuelle Gerinnungswerte sind obligat. Nach einer diagnostischen ERCP ist eine 8-stündige, nach einer Papillotomie oder einem Eingriff eine bis zu 24-stündige Nüchternphase notwendig.

 

Röntgen

Radiologische Untersuchungen von Speiseröhre, Magen oder Dickdarm wurden bei den meisten Fragestellungen durch die Endoskopie abgelöst. Dennoch können sie erforderlich werden in dem Fall, dass eine Endoskopie aus irgendwelchen Gründen nicht durchführbar ist, oder um zusätzliche Informationen über die Lage und besonders auch die Funktion dieser Organe zu erhalten.

Der Dünndarm ist aufgrund seiner Länge und seiner Anatomie endoskopischen Untersuchungen nur schwer zugänglich. Hierzu kommt heute in erster Linie die Kernspinnuntersuchung des Dünndarms („MR-Sellink“) zur Anwendung, die wir in Kooperation mit der Radiologischen Praxis am Haus durchführen. Ergänzend gewinnt auch die „Kapselendoskopie“, d.h. die Darstellung des Dünndarms mit Hilfe einer winzigen Kamera, für bestimmte Fragestellungen eine zunehmende Bedeutung, die wir ebenfalls am Haus durchführen.

Funktionsuntersuchungen

LZ-pH-Metrie und manometrische Messungen

Funktionsuntersuchungen im Magendarmtrakt umfassen die Langzeit-pH-Metrie sowie die Manometrie (Druck- und Bewegungsmessungen) von Speiseröhre und Enddarm bzw. Schließmuskel. Diese Untersuchungen werden nach Bedarf in Kooperation mit der Medizinischen Klinik I der Universitätsklinik Erlangen durchgeführt.

 

Leberfunktionstests

Die Leber hat eine zentrale Rolle im Stoffwechsel des Menschen: 

  • Speicherung und Freisetzung von Zucker (Glukose) und Fetten (Triglyceride, Cholesterin)
  • Entgiftung und Ausscheidung von Abfallprodukten aus dem Stoffwechsel oder dem Darm
  • Produktion von vielfältigen Eiweißstoffen, z.B. Gerinnungssubstanzen, Transportsubstanzen und vielen anderen.

Es gibt eine Reihe von Leberfunktionstests, die allerdings im klinischen Alltag nur geringe Bedeutung haben. In der Regel kann die Leberfunktion durch Messung verschiedener Blutwerte ausreichend genau bestimmt werden (Leberenzyme, Albumin, Gerinnungswerte, Ammoniak u.a.).

 

Pankreasfunktionstests

Die Bauchspeicheldrüse ist neben der Leber die wichtigste Verdauungsdrüse. Neben Bicarbonat zur Neutralisation der Magensäure produziert sie große Mengen an Verdauungsenzymen. Eine Einschränkung dieser Sekretionsleistung der Bauchspeicheldrüse führt zu einer Störung der Fettverdauung und damit zu Gewichtsverlust und Durchfällen.

Die Sekretionsleistung der Bauchspeicheldrüse wird im praktischen Alltag durch Messung verschiedener Verdauungsenzyme im Stuhl annähernd bestimmt (Elastase).


Dünndarmfunktion: Wasserstoff (H2)-Atemtests

Diese Tests dienen der Abklärung von Durchfallerkrankungen. Zucker wird durch Bakterien im Darm gespalten, wodurch Wasserstoffgas entsteht, das wiederum in der Atemluft gemessen werden kann.

Für die Tests werden verschiedene Zuckerlösungen getrunken, wobei je nach Art des Zuckers Informationen über die Dauer der Dünndarmpassage (obligatorisch), über Störungen der Zuckerverdauung oder -resorption oder über bakterielle Fehlbesiedelungen des Dünndarms gewonnen werden können.