Lange Nüchternzeiten vor Eingriffen gehörten bislang für viele Patientinnen und Patienten zum Klinikalltag. Obwohl das Trinken klarer Flüssigkeiten bis zwei Stunden vor einer Operation seit Jahren erlaubt ist, verzichten viele aus Unsicherheit deutlich länger darauf. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass ein verlängerter Verzicht – insbesondere auf Flüssigkeiten – keinen Vorteil bringt, sondern im Gegenteil nachteilig sein kann. Ein zu langer Nahrungs- und Flüssigkeitsentzug versetzt den Körper in einen Fastenzustand, der unter anderem Heilungsprozesse verlangsamen, das postoperative Wohlbefinden beeinträchtigen und Kreislaufprobleme begünstigen kann.
Das neue Konzept schafft hier Klarheit und Sicherheit: Bereits im Rahmen des vorstationären Termins wird das Vorgehen im Gespräch mit der Anästhesistin oder dem Anästhesisten individuell erläutert. Die Patientinnen und Patienten erhalten eine farblich gekennzeichnete Nüchternheitskarte (grün, gelb oder rot), auf der ihre persönlichen Vorgaben zum Essen und Trinken übersichtlich dargestellt sind.
Für viele bedeutet dies eine spürbare Erleichterung: Sie dürfen bis kurz vor dem Eingriff klare Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Kaffee – auf Wunsch auch mit Zucker, Honig oder etwas Milch – zu sich nehmen. Bei bestimmten Eingriffen oder Vorerkrankungen gelten angepasste Regeln, die ebenfalls klar auf der jeweiligen Karte vermerkt sind.
Die Vorteile des neuen Ansatzes sind vielfältig: eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bis kurz vor dem Eingriff erhöht die Patientensicherheit und kann postoperative Komplikationen reduzieren. Gleichzeitig profitieren die Patientinnen und Patienten von weniger Durst- und Hungergefühl, geringerem Unwohlsein sowie einer insgesamt günstigeren körperlichen Stressreaktion rund um den Eingriff.
„Unser Ziel ist es, unseren Patientinnen und Patienten eine bestmögliche und sichere Versorgung vor, während und nach einer Operation zu bieten“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin sowie Ärztliche Direktor, Dr. Horst Huber. „Die Wirksamkeit moderner Nüchternheitskonzepte ist inzwischen sehr gut belegt. Viele Kliniken in Deutschland und international setzen sie bereits erfolgreich ein. Wir freuen uns, dass nun auch unsere Patientinnen und Patienten von diesen Fortschritten profitieren.“