Zukunftsweisendes innovatives Projekt im Waldkrankenhaus gestartet: Einzigartige Alters-Unit setzt neue Maßstäbe in der Notfallversorgung

Vier Männer stehen im Halbkreis in einem Zimmer.

Der demografische Wandel stellt Kliniken bundesweit vor zunehmend großen Herausforderungen. Insbesondere die Notfallversorgung älterer Menschen erfordert – unabhängig vom akuten Anlass der Behandlung - völlig neue Ansätze, da Multimorbidität, Demenz oder komplexe Medikamenteneinnahmen Diagnosen und Therapien oft erschweren. Gleichzeitig bedeuten Hektik und Lärm in klassischen Notaufnahmen für Menschen über 70 Jahre enormen Stress, der zu akuten Verwirrtheitszuständen (Delir), zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustands oder sogar zu akuten Komplikationen wie z.B. Stürzen im Krankenhausumfeld führen kann. Dadurch kann der Aufenthalt in der Notaufnahme zusätzlich verlängert werden.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat das Malteser Waldkrankenhaus nun ein in Bayern bislang einzigartiges Konzept ins Leben gerufen: Eine spezialisierte, alterssensible Einheit („Alters-Unit“) direkt in der Zentralen Notaufnahme und der anschließenden Aufnahme- und Überwachungsstation.

Maßgeschneiderte Umgebung für Ruhe und Sicherheit
Hinter dem zukunftsweisenden Projekt steht ein interdisziplinäres Team von Spezialisten aller Kliniken des Waldkrankenhauses unter der Führung von Prof. Dr. med. Karl-Günter Gaßmann. Als Chefarzt der Akutgeriatrie des Waldkrankenhauses und mehrfach ausgezeichneter, nationaler Top-Spezialist für Altersmedizin bringt Professor Gaßmann seine langjährige Expertise zu den besonderen Bedürfnissen von Patienten fortgeschrittenen Alters ein. Mit der neuen Alters-Unit wurde innerhalb der Notaufnahme des Waldkrankenhauses ein geschützter Bereich geschaffen, der optimal auf die Bedürfnisse älterer und kognitiv eingeschränkter Patienten abgestimmt ist:

Licht und Akustik: 
Eine hochmoderne Schalldämmung reduziert Lärmstress spürbar. Eine drei- bis vierfach intensivere Beleuchtung gleicht Sehschwächen aus, während Blendungen gezielt vermieden werden.

Sturzprophylaxe: 
Rutschfeste, matte Böden sowie spezielle Sessel mit ergonomischen Armlehnen erleichtern das Aufstehen und Schützen gleichzeitig die fragile Haut.

Klare Orientierung: 
Kontrastreiche, großgeschriebene Schilder verhindern eine kognitive Überlastung. Kurze Wege und der Wegfall toter Winkel sorgen zudem dafür, dass das Pflegepersonal die Patienten jederzeit im Blick behält.

Geschultes ärztliches und pflegerisches Personal – möglichst mit bleibenden Bezugspersonen.
 

Rund-um-die-Uhr-Verzahnung von Notfallmedizin und Geriatrie
Das Herzstück der neuen Einheit ist die lückenlose Verknüpfung der Notfallmedizin aller Kliniken des Waldkrankenhauses mit der besonderen Expertise der Altersmedizin. Rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr steht ein Facharzt für Geriatrie direkt in der Notaufnahme bereit. Sofortige geriatrische Screenings, Delir- und Frailty-Checks (Erfassung von Gebrechlichkeit) sowie die direkte Überprüfung der Gesamtmedikation gehören zum Standardablauf. 
Unterstützt durch modernste Technik – wie mobile Ultraschallgeräte, Bed-side-Labore für Express-Blutanalysen und digitale Prozess-Dashboards – wird eine schnelle Diagnostik direkt am Bett gewährleistet. Experten aus Medizin, Pflege und Therapie arbeiten hierbei Hand in Hand.

Begleitpersonen ausdrücklich erwünscht
Da insbesondere Menschen mit Gedächtnisproblemen in Ausnahmesituationen verlässliche Vertrauenspersonen an ihrer Seite brauchen, sind Begleitpersonen in der Alters-Unit ausdrücklich willkommen. Sie geben den Patienten Halt, tragen zu deren Wohlbefinden bei und unterstützen das Behandlungsteam mit wichtigen Hintergrundinfos.

Nachhaltige Genesung und Vermeidung des „Drehtüreffekts“
Ein zentrales Ziel der neuen Einheit ist es, den Aufenthalt in der Notaufnahme für Senioren so kurz wie möglich zu halten. Ist nach der Erstversorgung eine stationäre Weiterbehandlung erforderlich, kann diese nahtlos im Waldkrankenhauses erfolgen – auch dort unter (Mit)Betreuung durch die Experten der Altersmedizin. 
Dies stärkt die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt und senkt das Risiko einer raschen Wiederaufnahme – den gefürchteten Drehtüreffekt – signifikant.

Mit Fokus auf den wissenschaftlichen Nachweis und die Zukunft
Das innovative Modell wird kontinuierlich wissenschaftlich überprüft und qualitätsgesichert, um sicherzustellen, dass die gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Weiterentwicklung der alterssensiblen Notfallversorgung einfließen.

 

Foto:
Bei der offiziellen Eröffnung der Alters-Unit mit geladenen Gästen 

v.l.n.r.: Joachim Herrmann, Staatsminister Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration; Stefan Matzelsberger, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention; Prof. Dr. med. Karl-Günter Gaßmann, Chefarzt Geriatrie-Zentrum, Malteser Waldkrankenhaus; Dr. med. Ron Wachter, Chefarzt Klinik für Notfallmedizin, Malteser Waldkrankenhaus

 

Mehr Infos und Fotos zu unserer Alters-Unit finden Sie hier.

Hier sehen Sie die Berichterstattung des Bayerischen Fernsehens.