Malteser Waldkrankenhaus St. Marien Erlangen

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Malteser
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Geriatrie-Zentrum Erlangen


Merkmale der Geriatrie

Was ist Geriatrie?

Geriatrie ( Ger = alt, iater = Arzt ) ist derjenige Zweig der Medizin, der sich mit der Gesundheit im Alter sowie den präventiven, klinischen, rehabilitativen und sozialen Aspekten von Krankheiten beim alten Menschen beschäftigt (WHO 1989).

Welches sind die Ziele der Geriatrie?
Die Geriatrie ist eine zukunftsorientierte Medizin. Dies schon deshalb, weil die Menschen nicht nur in unserem Land immer älter werden. Sie bietet dem älteren Patienten ein ganzheitliches diagnostisches und therapeutisches Konzept an. Auch wenn keine vollständige Heilung erreicht werden kann, soll durch die Kombination organmedizinischer Therapie und funktioneller Therapie eine größtmögliche Selbständigkeit der Lebensführung (= soziale Kompetenz) erhalten oder wiederhergestellt werden

(Zentraleuropäische Arbeitsgemeinschaft Gerontologischer/ Geriatrischer Gesellschaften 1990).

 

Wer ist ein geriatrischer Patient?

Geriatrische Patienten sind definiert

  • durch geriatrietypische Multimorbidität (gleichzeitiges Bestehen mehrerer behandlungsbedürftiger Erkrankungen) und höheres Lebensalter (überwiegend 70 Jahre oder älter). Die geriatrietypische Multimorbidität ist hierbei vorrangig vor dem kalendarischen Alter zu sehen.
  • oder durch Alter 80+ auf Grund der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität, z. B. wegen
    • des Auftretens von Komplikationen und Folgeerkrankungen,
    • der Gefahr der Chronifizierung sowie
    • des erhöhten Risikos eines Verlustes der Autonomie mit Verschlechterung des Selbsthilfestatus

Patienten, die älter als 80 Jahre und akut krankenhausbehandlungsbedürftig sind, sind nicht generell geriatrische Patienten. Bei Bedarf könnte für diese Patienten ein geriatrisches Konsil jedoch angezeigt sein.

 

Ganzheitlicher Ansatz

Geriatrie bezieht sich auf den ganzen Menschen und bezieht in die Diagnostik und Therapie folgende Bereiche mit ein: körperlicher Bereich, psychischer Bereich, sozialer Bereich, Wohnumgebung, Versorgungssituation. Diese Bereiche werden insbesondere unter funktionellen Gesichtspunkten gesehen: Welche Auswirkungen hat meine Krankheit für den Alltag und meine Selbstständigkeit?

Spezifische Diagnostik

Die Diagnostik in der Geriatrie (Geriatrisches Assessment) umfasst die Beurteilung des Patienten in Bezug auf Anamnese, Körper- und Geisteszustand und seine Fähigkeiten zur Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens im individuellen Kontext statt. Diese weit über die medizinische Anamnese und Befunderhebung hinausgehende ganzheitliche Abklärungsmethode enthält folgende Bereiche:

Medizinischer Status, Pflegeanamnese, körperliches Befinden/Funktionalität, psychologischer Status, psychisches Befinden, soziale Funktionen, ökonomischer Status.

Die Geriatrie bezieht von Anfang an das soziale Umfeld des Patienten in die therapeutischen Überlegungen mit ein. Es soll erreicht werden, dass der in der Klinik erzielte Erfolg im täglichen Leben umgesetzt werden kann. Das Geriatrische Assessment liefert hierfür die entsprechenden Grundlagen. Aufgrund des Geriatrischen Assessments wird ein allgemeiner Behandlungsplan mit Behandlungsziel in Zusammenarbeit mit Patient und Angehörigen durch das Behandlungsteam erstellt.

Die für den Patienten anzustrebenden Ziele werden nur bei optimaler Zusammenarbeit des therapeutischen Teams erreicht. Hierfür stehen den Teams gemeinsame Besprechungszeiten, gemeinsame Visiten, Planungszeiten und durch eine entsprechende Organisation zahlreiche informelle Austauschmöglichkeiten zur Verfügung.

Jede Berufsgruppe dokumentiert den Behandlungsverlauf des Patienten an einer zentralen Stelle, sodass dort jederzeit ein umfassender Status des Patienten von jedem Beteiligten erfahren werden kann.

Mindestens wöchentlich wird der Behandlungsfortschritt des Patienten überprüft und es werden ggf. die erforderlichen Maßnahmen neu festgelegt.

Therapeutisches Team

Die Geriatrie lebt von der Kooperation der Berufsgruppen untereinander. Der Großteil alter Patienten leidet neben einer akuten, zur Krankenhauseinweisung führenden Störung, an einer Multimorbidität und/oder zum Teil chronischen Einschränkungen, Fähigkeitsstörungen unterschiedlicher Ausprägungen mit einer negativen Rückwirkung im psychosozialen Bereich. Bei diesen Patienten hat vom Tag der Aufnahme an ein therapeutisch-rehabilitatives Gesamtkonzept zu greifen (Bundesarbeitsgemeinschaft der klinisch-geriatrischen Einrichtungen e.V.).

Ärztlicher Dienst

Die ärztlichen Mitarbeiter sind Internisten mit einer Zusatzweiterbildung Geriatrie. Sie führen die erforderliche klinische und apparative Diagnostik durch und leiten das therapeutische Team.

Aktivierende (rehabilitative) Pflege

Sie „versorgt“ den Patienten nicht nur, sondern leitet ihn bei den Alltagsaktivitäten zum selbständigen Handeln an und verbessert somit die Eigenständigkeit, dem Entstehen von Pflegebedürftigkeit wird so entgegengewirkt. Dies gilt insbesondere bei der Mobilität (z.B. selbständiges Aufstehen und Gehen), aber auch bei der Nahrungsaufnahme, Körperpflege und beim Anziehen, alles Voraussetzungen für die Rückgewinnung der Selbständigkeit im Alltag (sog. Aktivitäten des täglichen Lebens).

Krankengymnastik

Die Krankengymnastik ist eine Bewegungstherapie, die sich mit speziellen Techniken der Behandlung von krankhaften Veränderungen am Bewegungsapparat widmet. Auf der Grundlage eines spezifischen, krankengymnastischen Befundes wird diese Therapie auf die aktuelle Symptomatik des Patienten ausgerichtet. Zusätzlich erfolgt eine Schulung im krankheitsgerechten Verhalten. Häufig müssen auch Angehörige mit angeleitet werden. Die Beratung bei der Auswahl und Anfertigung von Hilfsmitteln gehört ebenfalls zum Aufgabengebiet der Krankengymnastik.

Ergotherapie

Ergotherapie ist eine aktive Behandlungsmaßnahme. Angebahnte Bewegungen werden in Bewegungsabläufe eingebaut und der funktionelle Einsatz geübt. In der Ergotherapie sollen keine abstrakten Übungen, sondern praktische, für den Alltag wichtige Handlungsabläufe trainiert werden. Häufig werden nicht nur Funktionen beübt, sondern das Bewältigen einer Aufgabe wird in den Vordergrund gestellt. Dabei werden sowohl Beeinträchtigungen in der Mobilität als auch solche im Bereich der geistigen Leistungsfähigkeit und der Selbständigkeit behandelt.

Logopädie

Die Logopädie beschäftigt sich mit der Diagnose und Therapie von Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Störungen aufgrund einer Erkrankung oder mechanisch, beispielsweise durch Verletzungen, entstanden sind. Die Logopädie bedient sich standardisierter Testverfahren, um die vorliegende Störung zu erfassen. Häufig ist die Sprache beim Patienten so gestört, dass andere Kommunikationsformen erarbeitet werden müssen, damit der Patient überhaupt in der Lage ist, sich seiner Umwelt mitzuteilen. Die Behandlung der Schluckstörungen ist für den Patienten lebenswichtig, da in die Luftröhre und damit in die Lunge eingedrungene Speisereste zu bedrohlichen Lungenentzündungen führen können.

Physikalische Therapie

Die physikalische Medizin behandelt den Patienten mit physikalisch beschreibbaren und physikalisch wirkenden Mitteln. Der Erfolg der Maßnahmen beruht auf einem System aus Reiz und Reizantwort. Der häufig multimorbide Geriatrische Patient lebt in einem Gleichgewicht der Organfunktionen mit abnehmenden Reserven. Alle Therapieformen, die durch isolierte Eingriffe an bestimmten Organsystemen wirken, bedrohen dieses Gleichgewicht. Dadurch, dass die physikalische Medizin bei richtiger Anwendung nur auf natürlichem Wege wirkt, wird diese Gefahr erheblich gemindert. Für alte Menschen sind die Methoden der physikalischen Medizin deshalb nahezu ideal.

Neuropsychologie

Die klinische Neuropsychologie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Hirnleistungsstörungen unterschiedlicher Art, die durch umschriebene oder ausgedehnte Läsionen und Krankheitsprozesse im Gehirn eintreten. Sie verwendet differenzierte psychologische und neuropsychologische Testverfahren. Hiermit können auch Verlaufskontrollen durchgeführt werden. Die neuropsychologische Rehabilitation hat die Reduzierung der durch die Hirnschädigung bedingten Behinderung und die Stärkung vorhandener Ressourcen zum Ziel.

Besonders wichtig in der Arbeit mit Geriatrischen Patienten sind neben der Förderung der Motivation, das Erarbeiten von Zielen und Perspektiven und der Umgang mit Trauer, Ängsten und Einsamkeit. Daher sind den Therapieprozess begleitende Gespräche ebenso wie das Schaffen einer wohltuenden Atmosphäre äußerst wichtig und stellen eine Arbeit dar, bei der das gesamte Team durch den Psychologen beraten und unterstützt wird. Insbesondere auch die Verarbeitung des Krankheitsprozesses, die Veränderung der Lebenssituation und die ungewisse Zukunft sind wichtige Themen, die der Psychologe mit dem Patienten bearbeiten kann.

Sozialdienst

Geriatrische Patienten leiden häufig nicht nur an medizinischen Problemen, sondern in zunehmendem Maße an Veränderungen ihres sozialen Umfeldes. Der Sozialdienst ist ein Arbeitsfeld der Sozialarbeit im Gesundheitswesen. Er bietet fachliche Hilfe für Menschen, die persönliche und soziale Probleme im Zusammenhang mit einer Erkrankung oder Behinderung und deren Auswirkung auf ihr Leben und das ihrer Angehörigen haben.

Tätigkeitsbereiche des Sozialdienstes in der Geriatrie

  • Psychosoziale Beratung der Patienten und deren Angehörigen während des Krankenhausaufenthaltes
  • Beratung in sozialen und sozialrechtlichen Fragen
  • Beratung und Vermittlung zu Hilfen und Diensten zur Sicherung des Verbleibens in der Wohnung
  • Beratung und Vermittlung zu teil- und vollstationären Versorgungsmöglichkeiten
  • Beratung über Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige
  • Beratung zu Demenzerkrankungen und anderen gerontopsychiatrischen Erkrankungen
  • Vermittlung an weiterführende Fachdienst- und Beratungsstellen
  • Beratung über und Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen